
Die Stadt Hanau hat die Grabstätte des Malers und Lehrers Richard Estler auf dem Friedhof Kesselstadt offiziell zur Ehrengrabstätte erklärt. Damit übernimmt die Kommune die Pflege und Unterhaltung der Grabstätte und würdigt zugleich das künstlerische und pädagogische Wirken Estlers, das nach Angaben der Stadt weit über Hanau hinaus Wirkung entfaltet habe.
Lebensweg und Werk
Richard Estler wurde 1873 in Dresden geboren und starb 1952 in Frankfurt am Main. Nach einer ersten Ausbildung an der Gewerbeschule in Dresden studierte er von 1892 bis 1898 an der Kunstgewerbeschule Dresden. 1901 holte ihn Professor Max Wiese an die Königliche Zeichenakademie nach Hanau, 1921 wurde Estler zum Professor ernannt.
Estlers künstlerisches Schaffen umfasst Zeichnungen, Aquarelle, Holzschnitte und Ölbilder. Zu seinen Motiven zählten vor allem Landschaften, Naturdenkmale und Altstadtansichten, unter anderem aus Dresden, Frankfurt und Hanau. Seine Arbeiten wurden wiederholt in Ausstellungen im Rhein Main Gebiet sowie in München und Berlin gezeigt und befinden sich heute überwiegend in Privatbesitz. Zu seinen Schülerinnen und Schülern zählten Louis Wahn, Bernd Oehmichen, Theodor Schäfer, Hans Fehlhaber und Clara Ewald Weinhold.
Karriereknick in der NS Zeit und Rückkehr nach dem Krieg
Estlers Mitgliedschaft in der Loge Braunfels zur Dreieinigkeit brachte ihn in Konflikt mit den Nationalsozialisten. Ende 1934 wurde er nach Behördenangaben vorzeitig und mit gekürzten Bezügen in den Ruhestand versetzt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kehrte er für kurze Zeit an die Staatliche Zeichenakademie Hanau zurück.
Ehrengrab und rechtliche Regelung
Die Stadt begründet die Ernennung mit Estlers Bedeutung für die Hanauer Kunst und Bildung sowie mit seiner Rolle als Zeitzeuge. Stadträtin Isabelle Hemsley betonte, die Ehrung halte das Andenken des Künstlers lebendig und würdige seine Bedeutung für Hanau als Kulturstandort.
Die Grabstätte auf dem Friedhof Kesselstadt ist ein Erdwahlgrab mit mehreren Beisetzungsstellen und wird in ihrer Gesamtheit als Ehrengrab geführt. Nach den städtischen Richtlinien zur Anerkennung von Ehrengräbern übernimmt Hanau die Pflege und Unterhaltung. Weil Angehörige weiterhin beigesetzt werden und die Nutzungszeit der Grabstätte derzeit bis 2029 läuft, wurde eine besondere Regelung getroffen, die der Stadt bereits vor Ablauf der Nutzungsrechte die Verantwortung für die Pflege ermöglicht.
Oberbürgermeister Claus Kaminsky erklärte, Estler stehe beispielhaft für eine Generation von Künstlerinnen und Künstlern, deren Lebenswerk von den politischen Verwerfungen des 20. Jahrhunderts geprägt worden sei. Mit der Auszeichnung solle sein Andenken geschützt und seine Bedeutung für die Stadt dauerhaft anerkannt werden.
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